|
 |
|
| |
|
 |
| Kurs |
Vortag |
Veränderung |
Datum/Zeit |
| - |
- |
0 |
0 % |
/ |
| |
| ISIN |
WKN |
Jahreshoch |
Jahrestief |
|
|
- |
- |
| |
|
|
| |
|
|
| |
Potash Rücksetzer abwarten 22.04.2008
Geldanlage-Report
Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Die Experten vom "Geldanlage-Report" raten bei der Aktie von Potash (ISIN CA73755L1076 / WKN 878149) die Rücksetzer abzuwarten.
Wir leben in aufregenden Zeiten, speziell im Rohstoffsektor gibt es wöchentlich neue Rekordmarken bei den verschiedensten Basiswerten zu vermelden, so die Experten vom "Geldanlage-Report". Das Barrel Öl koste inzwischen über 115 US-Dollar - soviel wie nie zuvor. Die Nachricht der Woche komme jedoch - wieder einmal - aus dem Agrarsektor. Ein Konsortium aus drei nordamerikanischen Düngemittel-Produzenten habe mit dem chinesischen Abnehmer Sinofert einen geradezu sensationellen Deal ausgehandelt.
Potash Corporation of Saskatchewan (Kanada), Mosaic und Agrium (beide USA) bekämen künftig pro Tonne Kali-Dünger, den sie nach China liefern würden, 576 US-Dollar. Das seien 400 US-Dollar oder 227 Prozent mehr als 2007 ausgehandelt worden sei. Da die Herstellungskosten je Tonne gleich bleiben würden bzw. aufgrund von Skaleneffekten sogar sinken würden, schlage sich die Steigerung direkt im Ergebnis je Aktie nieder. Die Gewinne der Unternehmen würden geradezu explodieren - und mit ihnen der Preis der Aktie.
Analysten hätten zwar mit drastischen Anhebungen gerechnet, aber nicht in dieser Größenordnung. Folglich habe es Kurszielanhebungen gehagelt. RBC Capital Markets-Analyst, Fai Lee, sehe den fairen Wert beim Marktführer Potash nun bei 300 US-Dollar statt bisher 250 US-Dollar. Der aktuelle Kurs der Aktie liege bei 194 US-Dollar. Noch vor einem Jahr habe das Papier 60 US-Dollar gekostet.
Die Hintergründe dieser Entwicklung hätten die Experten vom "Geldanlage-Report" bereits in ihrer Monatsausgabe am 1. März beleuchtet. "Alleine in China werden sich in den nächsten zehn Jahren mindestens weitere 600 Millionen Menschen der Mittelschicht anschließen und ihre Ernährung entsprechend anpassen", hätten sie damals geschrieben. Dünger sei ein immens wichtiges Gut, um ausreichend Agrarrohstoffe und damit letztlich Lebensmittel für diese ungeheure Menge an Menschen produzieren zu können.
Wenn China eine Verdreifachung des Preises innerhalb eines Jahres akzeptieren müsse (und das nicht nur gegenüber nordamerikanischen, sondern auch gegenüber russischen Produzenten), dann müsse die Versorgungssituation bereits äußerst kritisch sein. Darauf deute auch hin, dass in China die Exportsteuer für Düngemittel drastisch erhöht worden sei, um die Erzeugnisse mit aller Macht im Land zu behalten.
Die Preisanstiege bei Lebensmitteln auf globaler Ebene würden da gut ins Bild passen. Hungersnöte in Ägypten, Haiti und China - wieder einmal treffe es die Ärmsten als Erstes und am härtesten. Sie hätten nichts mehr zu verlieren, gewalttätige Proteste und Revolten seien das natürliche Ergebnis.
Aber auch hierzulande würden Lebensmittel in einem Maß teurer, das deutlich über dem der durchschnittlichen Teuerungsrate aller Güter liege. Ein Beispiel sei Milch. Beim Discounter um die Ecke koste der Liter mittlerweile 30 Prozent bis 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. Lebensmittel seien vom Inflationsbremser zum Inflationstreiber geworden.
Ein Ende dieses Trends scheine nicht in Sicht, zumal gerade in den USA durch die weiter hohe Förderung von Bioethanol der Agrarboom zusätzlich angefacht werde. US-Landwirte könnten die hohe Nachfrage nicht bedienen. Daher würden sie versuchen, aus den vorhandenen Flächen das Maximale herauszuholen - und das gehe nur mit hohem Düngereinsatz.
Ein weiteres globales Problem: 40 Prozent des weltweiten Ackerlandes seien schwer "degeneriert", beispielsweise durch Monokulturen oder klimatische Veränderungen, und würden nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen bzw. gar keinen Ertrag mehr bringen.
Beim Düngermarkt komme eine hohe Marktmacht der Akteure hinzu. Ähnliche Zusammenschlüsse wie oben beschrieben in Nordamerika gebe es auch in Russland. Diese oligopolistische Struktur unterstütze den Preisanstieg. Kritiker würden Potash und Co. vorwerfen, die Produktionsmenge absichtlich so zu dosieren, dass das Gut knapp und wertvoll bleibe. Die Unternehmen würden anders argumentieren: Jetzt mache sich einfach die jahrelange Stagnation des Marktes bemerkbar, es seien schlicht zu wenig Kapazitäten vorhanden.
Ein Engpass gebe es bei Kalium: Das sei einer der wichtigsten Rohstoffe für die Düngerproduktion. Allerdings gebe es weltweit weniger als 50 Minen. In neue Minen sei in den vergangenen Jahren kaum Geld investiert worden, weil das vorhandene Angebot ausgereicht habe. Der Neuaufbau einer Mine dauere aber bis zu fünf Jahre und verursache Kosten bis zu 1 Milliarde Euro. Es dauere daher noch bis mindestens 2010, ehe an neuen Standorten der Abbau beginnen könne. Kein Wunder, dass die Flüsterschätzungen in der Branche von einem weiteren Anstieg bis auf 1.000 US-Dollar je Tonne Potash (= Kali-Dünger) ausgehen würden. Das entspräche fast nochmals einer Verdopplung.
Fai Lee betone dann auch, dass sein Kursziel von 300 US-Dollar für Potash auf durchaus konservativen Annahmen beruhe. Er gehe von einem realisierten Tonnen-Preis für 2008 von 400 US-Dollar je Tonne und für 2009 von 600 US-Dollar je Tonne. Dabei handle es sich um Nettokosten, die bei den Frachtkosten bereits abgezogen seien. Brutto gehe er für 2009 von einem Preis von 700 US-Dollar je Tonne und danach von keinen weiteren Preissteigerungen mehr aus. Das liege demnach noch weit unter den herumgereichten 1.000 US-Dollar je Tonne. Somit scheine auch das Kursziel von 300 US-Dollar für Potash und damit die 50%-Chance noch nicht das Ende der Fahnenstange zu sein.
Gegenwind könnte für die Branche allenfalls eine massive wirtschaftliche Abschwächung bringen, wobei selbst dann Rohstoffe für Nahrungsmittel verhältnismäßig wenig betroffen sein dürften. Hier gehe es ja vor allem um Grundnahrungsmittel, auf die auch in einer Rezession keiner verzichten wolle bzw. könne.
Die neuesten Konjunkturdaten in den USA würden eine schwere Rezession aber ohnehin unwahrscheinlich machen. Unter Druck könnte die Branche allenfalls durch eine veränderte Bioethanol-Politik der US-Regierung geraten. Sollten die Subventionen hier zurückgefahren werden, könnte sich eine Entspannung beim Verdrängungskampf zwischen den landwirtschaftlichen Flächen die für die Produktion von Getreide für Biokraftstoffe und solchen, die für Lebensmittel verwendet würden.
Auf Basis der aktuellen Schätzungen von Lee ergebe sich für Potash ein 2009er KGV von 16. Das sei angesichts der Perspektiven nicht zu hoch. Berücksichtigt werden müsse allerdings, dass ab 2010 mit einem stufenweisen Rückgang des Düngerpreises zu rechnen sei, weil dann neue Kapazitäten vorhanden sein würden. Aufgrund des positiven Newsflows sei die Aktie zuletzt zudem recht heißgelaufen und charttechnisch überkauft.
Nach Meinung der Experten vom "Geldanlage-Report" sollten Anleger bei der Potash-Aktie daher vor einem Kauf einen Rücksetzer abwarten. (Analyse vom 22.04.2008) (22.04.2008/ac/a/a)
|
 |
|
|
 |
|
|
| |
|