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Finanzmärkte: Geldanlage im Niedrigzinsumfeld


10.10.2012
Berenberg Bank

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Mit dem Federal Reserve System (FED) der USA, der Bank of England (BoE) und der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die wichtigsten Notenbanken weltweit die Leitzinsen sehr stark auf zum Teil deutlich unter 1% gesenkt, so die Analysten der Berenberg Bank.

Was der Wirtschaft und den Staaten zugute komme, stelle institutionelle und private Investoren vor Herausforderungen.

Seit 2007 habe die FED die Federal Funds Target Rate (Leitzins) in mehreren Schritten von 5,25% auf 0,25% gesenkt. Mit der Etablierung eines derart niedrigen Zinsumfeldes - die Leitzinsen sollten bis mindestens Mitte 2015 auf dem aktuellen Rekordtief verbleiben - beabsichtige die FED, die Rahmenbedingungen für Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt zu schaffen.

Dahinter stecke die Logik, dass durch niedrige Zinsen Unternehmen wieder vermehrt investieren und Mitarbeiter einstellen sowie Verbraucher verstärkt Konsumentenkredite nachfragen würden. Darüber hinaus seien steigende Aktienkurse durchaus erwünscht. "Viele Leute besitzen direkt oder indirekt Aktien", habe FED-Chef Ben Bernanke kürzlich die Hoffnung darauf begründet, dass steigende Vermögen als Folge der stimulierenden FED-Maßnahmen die Kauflaune heben könnten.


Ebenfalls sehr stark hätten auch die BoE (von 5,75% auf 0,50%) und die EZB (von 4,25% auf 0,75%) ihre Leitzinsen gesenkt. Dadurch und zusätzlich über den Ankauf von Staatsanleihen hätten die drei Notenbanken auch für eine Entlastung beim Schuldendienst der Länder gesorgt, da die Renditen der Staatsanleihen parallel zu den Leitzinsen im Zeitverlauf gesunken seien. Dies treffe in erster Linie auf die im Vergleich zu den südeuropäischen Staaten disziplinierteren Euro-Mitglieder (Deutschland, Finnland, Niederlande, Österreich) zu.

Aber auch für die mit Haushalts- und Strukturproblemen kämpfenden Euro-Länder habe durch die bereits getätigten Staatsanleihenankäufe und durch die Ankündigung des neuen Ankaufprogramms seitens der EZB der finanzielle Druck abgemildert werden können, nachdem sie zeitweilig Rekordzinsen zu zahlen gehabt hätten.

Was den Staaten zugute komme, stelle Investoren vor Herausforderungen: Selbst bei moderater Inflation würden nominale Anlagen (u.a. Barguthaben, Festgelder, Sparbriefe und festverzinsliche Wertpapiere) durch einen negativen Realzins wertmäßig beeinträchtigt. In Zeiten niedriger Zinsen bzw. sogar negativer Realzinsen würden daher Sachwerte wie z.B. Aktien, Rohstoffe und Immobilien bei der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten in den Fokus rücken. Gerade Aktien würden aktuell ein Renditeniveau bieten, das historisch betrachtet als attraktiv anzusehen sei und für einen Inflationsausgleich sorgen könne.

Die Aktien des EURO STOXX 50-Index (ISIN EU0009658145 / WKN 965814) würden per 9. Oktober 2012 eine durchschnittliche Dividendenrendite (Verhältnis zwischen ausgeschütteter Dividende je Aktie und dem Aktienkurs) in Höhe von rund 4,1% ausweisen. Vierjährige europäische Unternehmensanleihen von Schuldnern mit höchster Bonität würden hingegen lediglich eine Verzinsung von rund 2,5% p. a. liefern, und deutsche Bundesanleihen gleicher Laufzeit würden gar nur bei 0,27% p. a. rentieren (Quelle für alle Angaben: Bloomberg).

Vor diesem Hintergrund sollten nach Erachten der Analysten Aktien bilanziell solider Unternehmen mit nachhaltig erfolgreichen Geschäftsmodellen auf Sicht weiter an Wert zulegen können, nicht zuletzt aufgrund ihrer relativen Attraktivität im Vergleich zu anderen Anlageklassen. Einige institutionelle Investoren wie z.B. Versicherungen dürften allerdings zukünftig am Aktienmarkt eine weniger gewichtige Rolle spielen als in der Vergangenheit, als sie Aufwärtsbewegungen am Aktienmarkt mit Erhöhungen ihrer Aktienquoten flankiert haben.

Aktuell werde solches durch Regelwerke wie "Solvency II" erschwert, weil Investitionen in Aktien mit sehr viel mehr Eigenkapital unterlegt werden müssten als Investments in Staatsanleihen. (10.10.2012/ac/a/m)




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