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Internationale Aktienmärkte: süßes Gift für die Börse


17.10.2012
fairesearch

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Normalerweise spiegelt sich in den Kursen der Wertpapiere die fundamentale und monetäre Zukunftserwartung der Anleger, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

An den Rentenmärkten seien es unter anderem Inflationsgefahren, Spread zu Geldmärkten, Bonität der Schuldner. An den Aktienmärkten würden die Kurse unter anderem künftige BIP-Wachstumsrate, erwartete Umsatz- und Ertragsentwicklung, Bilanzrelationen, Innovationen bewerten. Und an den Devisenmärkten unter anderem volkswirtschaftlicher Datenkranz, Leistungsbilanz, Auslandsverschuldung, "sicherer Hafen".


Doch gegenwärtig würden die Börsen so gut wie ausschließlich von der überreichen Liquidität gesteuert, die die Notenbanken in die Märkte pumpen würden. Statt in reale Investitionen ströme diese Liquidität in die Finanzmärkte, finanziere die Staatsverschuldung und treibe die Kurse. Ein süßes Gift für die Börsen. Denn einmal müssten die Zentralbanken die Überschussliquidität wieder abschöpfen oder höhere Inflationsraten akzeptieren. Dann erst komme die Stunde der Wahrheit in den Bewertungen.

An den Aktienmärkten würden die Kurse (z.B. am EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145 / WKN 965814)) seit Jahresmitte kräftig ansteigen, obwohl die Konjunkturforscher ein düsteres Bild für z.B. die Weltwirtschaft, die Eurozone, Deutschland und Frankreich zeichnen würden. Die von Analysten geschätzten KGVs 2013 von rund 10 würden eine relativ niedrige Bewertung zeigen, seien vermutlich aber viel zu optimistisch. Doch die quantitativen Lockerungen hätten in der letzten Zeit solche fundamentalen Argumente zur Seite gefegt.

Das größte Risiko für die Märkte, ein Auseinanderbrechen des Euro, habe sich für die nächste Zeit vermindert. Mit Irritationen müsse aber dennoch weiter gerechnet werden. Neuerliche Turbulenzen bei südeuropäischen Staatsanleihen seien ebenfalls möglich, würden aber durch die Rettungsschirme abgefangen. Besonderen Zweifel aber würden die zu erwartende Umsatz- und Gewinnentwicklung der Unternehmen aufgeben, da die Konjunkturrisiken von allen Instituten unterschätzt würden, wie es der Jahresverlauf 2012 gezeigt habe. Die Unternehmen würden sich in nächster Zeit sehr zurückhaltend äußern, häufig sogar Gewinnwarnungen aussprechen. Der Konsens dagegen sogar erwarte immer noch für 2013 ein Gewinnplus von durchschnittlich 13%.

An den Aktienmärkten mögen die Liquiditätsspritzen eine schlechtere Gewinnentwicklung abfedern. Doch würden die Erwartungen der Marktteilnehmer deutlich unterschritten und die KGVs entsprechend steigen, dann müssten sich auch die Notierungen nach unten anpassen. Eine Patt-Situation in 4Q 2012, die jetzt mehr Vorsicht anraten lasse. (17.10.2012/ac/a/m)




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