Logo
Analysen - Ausland
12.08.1998
Endesa mit Kurspotential
Frankfurter Sparkasse

www.optionsscheinecheck.de

Wertpapierkennummer: 871 028

MIm Juni entließ die spanische Regierung mit dem größten Stromversorger einen weiteren ehemaligen Staatsbetrieb, der mit umgerechnet rund 15 Milliarden DM Umsatz und 2 Milliarden DM Reingewinn zu den gewichtigsten und zugleich ertragsstärksten Konzernen des Landes zählt, vollständig in die Privatwirtschaft. Ein nicht weniger bedeutendes Datum für das Unternehmen ist die zum 01.01.1998 begonnene Liberalisierung des nationalen Strommarktes, die in Europa Zeichen setzt. Neben einem auf 10 Jahre befristeten Ausgleich für Wettbewerbseinbußen werden Netzinvestitionen honoriert und eine Strombörse (Pool-System) etabliert. Trotz des absehbaren Rückgangs der quasi staatlichen Tarife sollten die oligopolistische Marktstruktur (Endesa 47,5 und Iberdrola 28 Prozent) und die zunächst technisch auf rund 10 Prozent des Verbrauchs begrenzte Konkurrenz durch Auslandsanbieter den vielfach befürchteten Preiskrieg hemmen. Per saldo sind somit vom heimischen Energiesektor stabile Ergebnisse zu erwarten.

Um so wichtiger sind daher mit Blick auf die Deregulierung getroffene Weichenstellungen, vor allem die Expansion innerhalb sowie außerhalb der Kerngeschäfte. Mit dem Mehrheitserwerb an den Versorgern Fecsa und Sevillana wurde die nationale Position, über den Kauf von 33 Prozent an Südamerikas größter privater Stromgesellschaft Enersis und verschiedene andere Engagements auch die Stellung in der Wachstumsregion Lateinamerika gefestigt. Dieser dem spanischen Umfeld ähnliche Markt eröffnet Chancen, die sich nach einer anfänglich nicht reibungslosen Kooperation mit Enersis umso stärker bemerkbar machen werden. Als Telekom-Wert erobert der Titel doch eine Reihe von Beteiligungen im Festnetz sowie im Mobilfunk (u.a. Retevisión, Airtel) weiteres zukunftsträchtiges Terrain.

Das 1. Halbjahr 1998 zeigt, welche Bedeutung zudem der entschlossenen Nutzung reichlich vorhandener Kostensenkungspotentiale künftig zukommt. Bei einem um 7,3 Prozent geringeren operativen Ergebnis überraschte der auch dank des Verkaufs von Randaktivitäten auf rund 1 Milliarde DM (plus 6,9 Prozent) gestiegene Jahresüberschuß. Für den Zeitraum 1998 bis 2002 sollen die kontrollierbaren Kosten (Personal/Operations) weiter um 37 Prozent sinken. Parallel werden Investitionen im geschätzten Wert von 14 Milliarden DM sowie der Ausbau neu erschlossener Geschäftsbereiche auf 15 bis 20 Prozent Ergebnisbeitrag vorangetrieben. Schon in dieser Phase aggressiven Wachstums dürfte das Ergebnis je Aktie an Dynamik gewinnen. Für 2000 liegt die Schätzung bei 205 Peseten nach 180 für 1999 und 172 für 1998 (167 im abgelaufenen Jahr). Mit dem Rückkauf von 8,2 Prozent der eigenen Aktien hat sich das Management zum Shareholder-Value-Gedanken bekannt. Dies rundet das Bild eines soliden europäischen Investments mit überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten, die eine deutliche Höherbewertung der Aktie gegenüber der Branche rechtfertigen, ab.


© 1998 - 2026, optionsscheinecheck.de