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Analysen - DAX 100
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18.10.2005
Südzucker halten
Bankhaus Lampe
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www.optionsscheinecheck.de
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Christoph Schlienkamp, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Aktie von Südzucker (ISIN DE0007297004/ WKN 729700) von "kaufen" auf "halten" herab.
Südzucker habe zum Ende der vergangenen Woche die Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung im ersten Halbjahr 2005/06 (01.03. bis 31.07.) veröffentlicht, die auf der Umsatzseite zwar die Erwartungen der Analysten leicht übertroffen hätten, auf der Ergebnisseite jedoch merklich hinter ihren Planungen zurückgeblieben seien.
Der Konzernumsatz sei im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2005/06 um 17,1% auf 2,661 Mrd. EUR (erwartet: 2,600 Mrd. EUR) gestiegen. Im Segment Zucker habe der Umsatz um 13,7% auf 1,847 Mrd. EUR gesteigert werden können. Infolge der guten Ernte des Vorjahres sowie der in 2004/05 nicht erfolgten Deklassierung seien die Exporte von Quoten und C-Zucker im Vergleich zum Vorjahr deutlich ausgeweitet worden. Der Umsatz im Bereich Spezialitäten habe sich vor allem aufgrund des planmäßigen Ausbaus der Fruchtsparte um 25,5% auf 0,815 Mrd. EUR erhöht. Hier seien erstmals Erlöse der Atys- und Wink-Gruppe einbezogen, weiterhin seien im Vorjahr die Umsätze der Steirerobst-Gruppe nur mit drei Monaten enthalten gewesen.
Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2005/06 habe der Konzern aber nur ein operatives Ergebnis von 237,3 Mio. EUR nach 262,0 Mio. EUR im entsprechenden Vorjahreszeitraum erreicht. Mit ihrer Erwartung von 265 Mio. EUR seien die Analysten vom Bankhaus Lampe jedoch deutlich zu optimistisch für die Ertragsentwicklung des Konzerns gewesen. Im Segment Zucker habe das Ergebnis mit 183 Mio. EUR annähernd auf dem Vorjahresniveau gelegen. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit des Segments Spezialitäten habe aber einen Rückgang von 77 Mio. EUR auf 54 Mio. EUR verzeichnet. Diese Ergebnisbelastungen seien nach Angaben der Gesellschaft auf die Anlaufverluste der Bioethanolanlage in Zeitz zurückzuführen.
Infolge technischer Schwierigkeiten seien zum Einen nicht vorhergesehene Aufwendungen im Rahmen der Inbetriebnahme angefallen. Zum Anderen habe die Kapazität der Anlage bislang noch nicht im geplanten Umfang genutzt werden können, während zeitgleich planmäßige Abschreibungen zu berücksichtigen gewesen seien. Auch der Bereich Functional Food sei hinter dem Vorjahresergebnis zurückgeblieben. Beides zusammen habe durch den Ausbau des Fruchtbereichs und eine erfreuliche Ergebnisentwicklung der Stärkeaktivitäten im Berichtszeitraum nicht ausgeglichen werden können.
Für das Gesamtjahr 2005/06 gehe der Konzern unverändert von einer Steigerung des Konzernumsatzes um knapp 9% auf 5,2 Mrd. EUR aus. Im Segment Zucker erwarte das Management einen Umsatzrückgang durch ein deutliches Nachlassen der Quotenzuckerexporte in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres. Dieser Rückgang werde durch die von der Zuckerwirtschaft geforderte und von der Kommission nunmehr vorgenommene Deklassierung verursacht. Demgegenüber stehe jedoch eine zweistellige Ausweitung der Umsatzerlöse im Spezialitätengeschäft durch die im weiteren Geschäftsjahresverlauf voll wirksam werdenden, positiven Einflüsse aus der Erweiterung der Fruchtgruppe und dem Umsatzbeitrag des anlaufenden Bioethanolgeschäfts.
Das Betriebsergebnis dürfte im Geschäftsjahr 2005/06 aber niedriger ausfallen als im Vorjahr und bislang erwartet. Im Segment Zucker würden die negativen Auswirkungen aus der von der EU-Kommission im Vorjahr unterlassenen Deklassierung zunächst weiter das Ergebnis beeinträchtigen, bevor sich aufgrund der im September 2005 vorgenommenen deutlichen Deklassierung wieder eine Entspannung ergeben werde.
Darüber hinaus würden die zuletzt massiv gestiegenen Energiepreise die Erzeugung der neuen Kampagne belasten, so dass die Ergebnisentwicklung im Segment Zucker rückläufig sein werde. Im Spezialitätenbereich sei es angabegemäß die vorrangigste Aufgabe, die Anlaufverluste der Bioethanolanlage zu begrenzen und bei Functional Food wieder zum Wachstum der Vorjahre aufzuschließen, so dass - anders als im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres - der Ergebniszuwachs aus der Erweiterung des Fruchtbereichs zum Tragen kommen sollte.
Enttäuscht habe die Analysten vom Bankhaus Lampe die Ertragsentwicklung vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Gesellschaft in den vergangenen Monaten sowohl mit der Kapitalerhöhung um 200 Mio. EUR als auch mit der Emission der Hybrid-Bonds im Volumen von insgesamt 700 Mio. EUR die Kapitalbasis verbessert habe und nunmehr ein positiverer News-Flow das Investoreninteresse sicherlich besser gestärkt hätte.
Die Analysten vom Bankhaus Lampe reduzieren ihr Rating für die Aktie von Südzucker von "kaufen" auf "halten" und ihr Kursziel von bislang 20,00 EUR auf 19,00 EUR.
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