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Analysen - Nebenwerte
01.11.2007
Balda halten
SES Research

www.optionsscheinecheck.de

Hamburg (aktiencheck.de AG) - Der Analyst von SES Research, Jochen Reichert, rät unverändert zum Halten der Balda-Aktie (ISIN DE0005215107/ WKN 521510).

Balda habe im abgelaufenen dritten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal den Umsatz der fortgeführten Bereiche deutlich um 124% auf EUR 78 Mio. (SESe. EUR 77 Mio.) steigern können. Wesentliche Treiber sollten die Ausweitung der Produktion bei TPK, ein deutlicher Umsatzanstieg des Medical-Bereichs sowie eine Belebung des traditionellen Gehäusegeschäfts in Asien gewesen sein. Auf Basis der ersten neun Monate habe Balda einen Umsatz von EUR 172 Mio. erwirtschaftet (+62% yoy). Davon seien EUR 142 Mio. (83% des Gesamtumsatzes) in Asien, EUR 20 Mio. in Europa (11%) und 11 Mio. (9%) in Amerika erzielt worden.

Auf EBIT Ebene habe Balda die Prognosen deutlich verfehlt. Die Analysten seien von einem EBIT in Höhe von EUR 4,3 Mio. ausgegangen. Balda habe hingegen ein EBIT für die fortgeführten Bereiche von EUR 2,1 Mio. berichtet. Der operating Leverage hätte mit Ausweitung der Produktion höher ausfallen müssen. Für die Diskrepanz seien unter anderem Abschreibungen von Lagerbeständen in der Region Amerika verantwortlich. Zwar habe Balda den Umsatz für die fortgeführten Bereiche beeindruckend steigern und ein positives EBIT erzielen können, für eine Beurteilung des Quartals würden aber wesentliche Fragen offen bleiben.

Für das 1H/07 habe Balda im Halbjahresbericht den anteiligen Umsatz von TPK mit EUR 10,3 Mio. beziffert. Für Q3/07 sei der Umsatzbeitrag aus TPK nicht mehr genannt worden. Damit fehle eine wesentliche Kennziffer, um Balda beurteilen zu können. Im 1H/07 sei in der Region Asien ein Umsatz von EUR 80 Mo. Erzielt worden. In den ersten neun Monaten habe die Region Asien einen Umsatz von EUR 142 Mio. erwirtschaftet.

Das entspreche einem Wachstum in Q3/07 von knapp EUR 18 Mio. bzw. 39%. Unter der Annahme, dass das Plastik-Geschäft (Gehäuse) qoq um 10% gewachsen sei, hätte TPK in Q3 einen Umsatz von EUR 29 Mio. erzielt. Das bedeute, TPK hätte in den ersten neun Monaten insgesamt einen Umsatz von EUR 39 Mio. erwirtschaftet (nur Balda-Anteil). Balda habe in 2006 für TPK einen anteiligen Jahresumsatz von ca. EUR 300 Mio. in Aussicht gestellt.

Balda habe bekannt gegeben, die Refinanzierung der EUR 80 Mio. abgeschlossen zu haben. Per 31.12.2006 sei der Bonds in den Balda-Büchern mit EUR 7 Mio. bewertet. Knapp EUR 34 Mio. seien mit der Ausgabe von 4,734 Mio. Wandelgenusscheinen refinanziert worden. Die Wandelgenusscheine würden mit 8% p.a. verzinst. Darüber hinaus besäßen sie Eigenkapitalcharakter und würden damit zu einer Verwässerung von 10% führen. Die Refinanzierung der restlichen EUR 42 Mio. habe das Unternehmen nicht kommentiert. Es sei lediglich gesagt worden, dass die komplette Refinanzierung erledigt sei. Unter Betrachtung von Baldas Nettoverschuldung von EUR 190 Mio. sowie den Unsicherheiten betreffend TPK dürfte eine Refinanzierung via zusätzlicher (neuen) Bankkredite schwierig sein. Möglicherweise habe Balda hier Finanzierungszusagen aus Asien zur Refinanzierung genutzt.

Die Ergebnisse der nicht fortgeführten Bereiche seien in den Hintergrund getreten. Es sei deutlich positiv zu werten, dass Balda sich von nicht mehr benötigten Produktionskapazitäten in Europa trenne. In den ersten neun Monaten habe der Ergebnisbeitrag der nicht fortgeführten Bereiche bei EUR minus 29 Mio. und im dritten Quartal bei EUR minus 17 Mio. gelegen. Zum einen würden die nicht fortgeführten Bereiche solange sie nicht verkauft worden seien, weiter den Cash Flow des Konzerns in erheblichem Umfang belasten. Zum anderen dürfte es nicht einfach sein, die Bereiche zu veräußern. Schließlich stünden die zum Verkauf stehenden Bereiche mit EUR 20 Mio. in der Bilanz. Es sei nicht davon auszugehen, dass Balda tatsächlich diesen Betrag realisieren werde. Vielmehr sei zu erwarten, dass Balda bei einem Verkauf der Bereiche dem Käufer erhebliche Zugeständnisse machen müsse.

Mit einem sequentiellen Umsatzwachstum in Q3/07 von knapp 40% in der Region Asien habe Balda eine beeindruckende Steigerung hinlegen können. Jedoch fehle nach wie vor der Beweis, dass bei TPK die Produktion deutlich hochgefahren werden könne. Mit Q4/07 sollte ersichtlich werden, ob das iPhone für Balda zum Wachstumstreiber werden könne. Weiterhin stelle sich die Frage, ob Balda Touch-Komponenten auch für den iPod Touch liefern werde.

Zum Vergleich: Balda habe bei TPK eine Jahreskapazität von 36 Mio. Komponenten mit Fokus auf die Capacitive-Technologie, die gegenüber der Resistive-Technologie mehrere Vorteile habe (z.B. bessere Berührungseigenschaften, höhere Helligkeit und robuster). In 2006 habe "Resistive" einen Weltmarktanteil von nahezu 100% bei mobilen Endgeräten, Capacitive habe faktisch keine Rolle gespielt. Mit Apple habe sich der erste Massenhersteller entschieden, für seine Produkte Capacitve einzusetzen. Weitere würden folgen, so dass die verfügbaren "Capacitve"-Produktionskapazitäten schnell stark ansteigen würden.

Balda sei davon ausgegangen, bei TPK einen Entwicklungsvorsprung von 20 Monaten zu haben. Jedoch gebe es bereits heute mehrere Massenhersteller, wie z.B. Sharp und Optrex. Nach iSupply würden in 2007 weltweit ca. 50 Mio. Handhelds mit Touch-Technologien ausgeliefert. Davon seien ca. 92% basierend auf Resistive und 6% auf Capacitve. Mit anderen Worten, Balda verfüge derzeit über ein Produktionsvolumen, das 72% der für 2007 weltweit erwarteten Nachfrage entspreche. Nun könnten Touch-Technologien auch in anderen Geräten (Medizin, Bank-Terminals, etc.) eingesetzt werden. Jedoch seien das keine Massenmärkte und blieben in diesem Vergleich unberücksichtigt.

Auf Grund der Unsicherheiten bei TPK, der relativ hohen Nettoverschuldung sowie der ungelösten Problematik der nicht fortgeführten Bereiche bleiben die Analysten von SES Research bei ihrer Halteempfehlung für die Balda-Aktie. Das Kursziel sehe man unverändert bei 7,00 Euro. (Analyse vom 01.11.2007)
(01.11.2007/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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