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Analysen - Nebenwerte
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05.03.2008
Balda verkaufen
SES Research
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www.optionsscheinecheck.de
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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Der Analyst von SES Research, Jochen Reichert, stuft die Aktie von Balda (ISIN DE0005215107/ WKN 521510) weiterhin mit "verkaufen" ein.
Balda habe heute eingeräumt, die in 2007 entstandenen Verluste der KS Plastics übernehmen zu müssen. Die bestehende Liquidität reiche hierfür nicht aus.
Dass die Balda AG die in 2007 entstandenen Verluste der dekonsolidierten Gesellschaften Balda Solutions und Balda Werkzeugbau decken müsse, sei nicht überraschend. Zwischen der Balda AG und den dekonsolidierten Tochtergesellschaften bestünden für das Geschäftsjahr 2007 Gewinnabführungsverträge. Spekulationen würden davon ausgehen, dass der Verlust in 2007 aus den dekonsolidierten Gesellschaften sich auf bis zu EUR 40 Mio. summieren könnte. Es stelle sich die Frage, ob Banken bereit seien, weitere Kreditlinien hierfür einzuräumen.
Banken könnten vor dem Hintergrund der aktuellen Meldung auf die Tilgung von Forderungen bestehen: Per Ende 2007 dürfte Balda Nettofinanzverbindlichkeiten von ca. EUR 120 Mio. aufweisen (implizite Annahme: Die im letzten Jahr durchgeführten Kapitalerhöhungen seien komplett zur Schuldentilgung verwendet worden). Anstatt Balda frisches Kapital bereitzustellen, dürften die Banken eher Interesse daran haben, dass ihre Forderungen beglichen würden.
Bei Balda gehe es nicht nur darum, kurzfristig einen Liquiditätsengpass infolge der Verluste von dekonsolidierten Gesellschaften zu decken. Das erste Halbjahr sollte für Balda schwach werden. Zum einen würden zwei erfolgreiche Mobiltelefone, für die Balda die Gehäuse geliefert habe, in der Produktion auslaufen. Zum anderen dürfte Q1/08 ein eher schwaches iPhone-Quartal werden. In Q1/08 sei mit einem negativen Cash Flow von rund EUR 9 Mio. zu rechnen. Darüber hinaus habe Balda umfangreiche Expansionspläne betreffend TPK. Sollten diese nicht aufgegeben werden, müssten hier weitere Mittel über FK- und EK-Maßnahmen beschafft werden. Bei einem derzeit erwarteten EBIT für 2008 von EUR 28 Mio. würde sich ein Wert für Nettoverschuldung/EBIT von 3,5 ergeben.
Ob die EBIT-Prognose unter den gegebenen Umständen haltbar sei, bleibe abzuwarten. Selbst bei einem Wert von 3,5 erscheine es unwahrscheinlich, dass Banken weitere Kredite zu Verfügung stellen würden.
Die überraschend im November 2007 angekündigte Kapitalerhöhung sei von vier wesentlichen Aktionären der Balda (Michael Chiang, Wyser-Pratte, Sapinda und Audley Capital) zu EUR 10 garantiert worden - und das obwohl der Aktienkurs zum Zeitpunkt der Ankündigung bei ca. EUR 8,50 gelegen habe. Dadurch seien Balda liquide Mittel von rund EUR 68 Mio. zugeflossen. Für eine erneute Rettungsaktion wären zur Überbrückung des kurzfristigen Liquiditätsengpasses resultierend aus KS Plastics und erwartetem Cash-Abfluss aus dem operativen Geschäft in Q1/08 von zusammen EUR 30 Mio. bis EUR 40 Mio. notwendig.
Dies würde Balda allerdings nur kurzfristig weiterhelfen, da Banken wahrscheinlich aufgrund der derzeitigen Lage sowie der schwachen erwarteten operativen Performance ein Sonderkündigungsrecht für ihre Kredite hätten. Daher müsste voraussichtlich entweder für die Expansionsfinanzierung der TPK und/oder die Restrukturierung der Bilanz weiteres Eigenkapital beschafft werden. Ob die wesentlichen Bestandsaktionäre hierzu bereit seien, bleibe abzuwarten.
Bisher sei zur Bewertung der Balda aufgrund der Risiken eine vereinfachende EV/EBIT-Bewertung auf Basis der EBIT-Prognose für 2008 herangezogen worden. Unterstellt, dass ein EV/EBIT-Multiplikator von 10 fair wäre, Balda in 2008 ein EBIT von EUR 28 Mio. erzielen würde, die Nebt Debt Position bei EUR 120 Mio. per Ende 2007 liege, ergebe sich ein Kursziel von EUR 3,30.
Für die Neubewertung werde ein "Zerschlagungsszenario" unterstellt. Dabei setze sich der Wert des Eigenkapitals wie folgt zusammen: Wert des Plastikgeschäfts, Wert des Touch-Geschäfts, Nettofinanzverbindlichkeiten, Cash-Abfluss an KS Plastics in 2007. Unberücksichtigt bleiben würden weitere Risiken aus KS Plastics wie z.B. zusätzliche Cash-Belastung in 2008.
In Bezug auf den Wert des Plastik-Geschäfts werde im Geschäftsjahr 2008 ein Umsatz von EUR 250 Mio. bzw. ein EBIT von EUR 17 Mio. erwartet. Unter der Annahme, dass für das Commidity-Geschäft ein EV/EBIT-Multiplikator von 5 als fair zu betrachten sei, liege der faire Wert des Plastikgeschäfts bei EUR 85 Mio.
TPK sollte in 2008 ein EBIT in Höhe von EUR 22 Mio. erzielen. Davon würden knapp EUR 11 Mio. auf den Balda-Anteil am Joint Venture entfallen. Aufgrund des erwarteten hohen weltweiten Wachstums bei touch-fähigen Endgeräten und des damit verbundenen Potenzials für TPK sollte ein EV/EBIT von 17 gerechtfertigt sein. Daraus folge ein Wert des Balda-Anteils an TPK von knapp EUR 187 Mio.
Per Ende 2007 dürften die Nettofinanzverbindlichkeiten bei ca. EUR 120 Mio. gelegen haben. Die Verpflichtungen aus den Verlusten der KS Plastics Gruppe würden nach SES Research-Erwartungen auf EUR 20 Mio. beziffert.
Unter Berücksichtigung aller vier Komponenten ergebe sich ein Wert für das EK von EUR 130 Mio. bzw. ein neues Kursziel von EUR 2,50 (alt: EUR 3,30).
Nach Ansicht der Analysten von SES Research lautet das Rating für die Balda-Aktie weiterhin "verkaufen". (Analyse vom 05.03.2008) (05.03.2008/ac/a/nw) Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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