|
Analysen - Nebenwerte
|
08.05.2008
Balda verkaufen
SES Research
|
www.optionsscheinecheck.de
|
Hamburg (aktiencheck.de AG) - Der Analyst von SES Research, Jochen Reichert, stuft die Aktie von Balda (ISIN DE0005215107/ WKN 521510) weiterhin mit "verkaufen" ein.
Balda habe am 07.05.2008 die Zahlen für das erste Quartal 2008 veröffentlicht. Sowohl das Infocom-Geschäft als auch das Touch-Geschäft seien äußerst schwach ins Geschäftsjahr gestartet. Im Infocom-Bereich seien zwei erfolgreiche Mobiltelefone ausgelaufen. Gleichzeitig seien die Ramp-Up-Phasen für Folgeaufträge gerade angelaufen. Im Touch-Geschäft habe es in Q1/08 gegenüber Q4/07 einen Nachfrageeinbruch gegeben. In diesem Segment sei Balda im Wesentlichen von einem Großkunden (SESe: Apple) abhängig. Dieser habe in Q1/08 gegenüber dem starken Weihnachtsgeschäft weniger Abverkäufe verzeichnet.
Das Management von Balda sei optimistisch, die derzeitige Liquiditätskrise durch Asset-Verkäufe und Restrukturierung der Finanzschulden überwinden zu können: Ein Verkauf der europäischen Infocom-Aktivitäten solle zeitnah erfolgen - was positiv zu werten wäre.
Für den zum Verkauf stehenden Medical-Bereich seien die ersten indikativen Bewertungen vielversprechend. Unter der Annahme, dass Medical in 2008 einen Umsatz von EUR 28 Mio. bis EUR 30 Mio. erziele, würden Balda durch den Verkauf bei einem Umsatz-Multiplikator von 0,8 EUR 22 Mio. bis EUR 24 Mio. zufließen. Bis Mitte Juni habe Balda mit der Balda Solutions sowie mit Banken ein "Stillhalteabkommen" vereinbart. Bis dahin habe Balda Zeit ca. EUR 90 Mio. Finanzverbindlichkeiten neu zu strukturieren.
Die Liquiditätslage bleibe äußerst angespannt: Balda weise per Ende Q1/08 eine Nettoverschuldung von EUR 163,8 aus. In Q2/08 sollte der Cashflow erneut negativ sein (Mittelabfluss in Q1/08: EUR 33,8 Mio.). Hinzu komme das Problem, dass mehr als 80% der Umsatzerlöse in USD fakturiert würden, die Schuldenbedienung derzeit aber zum größten Teil in EUR erfolge. Daher dürfte Balda die Finanzschulden auf EUR-Basis durch Kredite auf USD-Basis ersetzen.
Selbst unter der Annahme, dass das europäische Infocom-Geschäft kurzfristig veräußert werden könne und Balda aus dem Verkauf des Medical-Bereichs rund EUR 22 bis EUR 24 Mio. liquide Mittel zufließen würden, bleibe das Risiko der Zahlungsunfähigkeit bestehen. Damit sei eine Restrukturierung der Schulden unabdingbar. Wie sich die Banken verhalten würden, falls bis Mitte Juni keine Lösung gefunden werde, bleibe abzuwarten.
Balda gehe nach wie vor davon aus, im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von USD 600 Mio. bei einem EBT von USD 35 Mio. zu erzielen - und das nach einer schwachen Performance im ersten Quartal. Unter der Annahme dass Balda in Q2/08 den Breakeven auf EBT-Ebene erreiche, müsste im zweiten Halbjahr ein EBT auf USD-Basis von rund USD 42 Mio. bzw. ein EBIT von rund USD 56 Mio. erzielt werden.
Im ersten Halbjahr 2008 dürfte Balda inklusive Medical einen Umsatz von rund USD 152 Mio. erzielen. Das bedeute, der Umsatz im zweiten Halbjahr müsste um knapp 200% auf USD 448 Mio. steigen und die EBIT-Marge müsste bei knapp 13% liegen. Vor dem Hintergrund der angespannten Liquiditätslage dürfte sich die Gewinnung von Neukunden eher schwierig gestalten. Daher sei stark zu bezweifeln, dass Balda die Guidance erreichen werde.
Solange es Balda nicht gelinge, das europäische Infocom-Geschäft zu verkaufen und die umfangreichen Finanzschulden zu restrukturieren, bleibe aus Sicht von SES Research das Risiko für eine Zahlungsunfähigkeit bestehen. Selbst wenn wider erwarten die EBT-Guidance für 2008 erreicht werde, so würde sich auf USD-Basis ein Wert für die Kennziffer Nettoverschuldung/EBITDA von 3,0 ergeben (ein EBT von USD 35 Mio. erfordere in etwa ein EBITDA von USD 83 Mio.; eine Nettoverschuldung von EUR 162 Mio. entspreche bei einem Wechselkurs von USD/EUR von 1,55 einer Nettoverschuldung von USD 251 Mio.).
Mit anderen Worten, verfehle Balda die eigenen Erwartungen, würden sich Nettoverschuldung/EBITDA-Relationen von deutlich über 3 ergeben. Dass unter diesen Umständen das Schuldenproblem allein durch Ablösung der Altschulden durch Neuschulden gelöst werden könne, sei zu bezweifeln. Balda müsste womöglich erneut auf die Suche nach EK-Gebern gehen.
Aufgrund der hohen Unsicherheiten betreffend der Restrukturierung und der Schuldenproblematik sowie der Wahrscheinlichkeit, dass nach 2006 und 2007 in 2008 erneut eine Revision der Guidance erfolgt, lautet die Empfehlung der Analysten von SES Research für die Balda-Aktie weiter "verkaufen". Das Kursziel werde vor diesem Hintergrund auf EUR 1,50 (alt EUR 2,50) reduziert. Zunächst bleibe abzuwarten, ob Balda die Schuldenthematik bis Mitte Juni lösen könne. Neue Prognosen würden nach der Lösung der Liquiditätskrise erstellt. (Analyse vom 08.05.2008) (08.05.2008/ac/a/nw)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
|