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News - Neuer Markt
11.02.2002
Neue Sentimental miserable Zahlen
Bluebull

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Die Neue Sentimental Film AG (WKN 534140) hat miserable Zahlen gemeldet, so die Experten von "Bluebull".

Das wäre nun per se keine Katastrophe, ärgerlich werde der Fall im Prinzip erst dadurch, wie diese Zahlen verpackt würden und die Anleger verschaukelt werden sollten.

Zur Chronologie: Im November 2000 habe die Frankfurter Werbefilm-Klitsche zur Zeichnung von 2,8 Mio. Aktien eingeladen, die schließlich zu 12,00 Euro emittiert worden seien. Erster Kurs am Neuen Markt seien 9,00 Euro gewesen. Fürs Jahr 2000 habe man dann noch recht zufriedenstellende Zahlen vorgelegt. 41,26 Mio. Euro seien es nach 26 Mio. Euro im Jahr zuvor gewesen. Auch beim Ergebnis habe man vielversprechende positive Zahlen vorgelegt. 3,4 Mio. Euro Überschuss, das könne sich sehen lassen. Für 2001 habe der Vorstand beim Umsatz eine Fortsetzung des Wachstums erwartet. Dabei solle eine EBIT-Marge von 10% erreicht werden.

Auch bei den gemeldeten Zahlen bleibe es im Jahr 2001 zunächst vielversprechend. 9,94 Mio. Euro Umsatz (ca. 5% mehr als im Vorjahresquartal), das sei nicht der Knaller aber in Ordnung gewesen. Schließlich habe man beim Ergebnis mit 0,98 Mio. Euro ein mehr doppelt so hohes Resultat wie im Vorjahr erzielt. Leisere Töne habe es dann schon zum Halbjahresergebnis gegeben. 15,5 Mio. Euro habe man erlöst, gut 20% weniger als im Vorjahr. Was man nach Aussagen der Experten von "Bluebull" tunlichst zu erwähnen vermied war, dass der Umsatz auf Quartalsbasis um die Hälfte eingebrochen war (5,5 Mio. Euro nach fast 10 Mio. Euro im Vorjahr). Die erwarteten 24 Mio. Euro Umsatz seien um 30% verpasst worden. Auch beim Ergebnis habe es rote Zahlen gegeben. Ein negatives EBIT von 2,7 Mio. Euro habe auf einmal in den Büchern gestanden, nach positiven 1,7 Mio. im Vorjahr. Dabei habe doch alles so gut angefangen.

Weitere Ernüchterung nach dem dritten Quartal: 22 Mio. Euro Umsatz seien mittlerweile erlöst worden (nach 27 Mio. Euro im Vorjahr), also nochmals ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahresquartal. Insofern sei es schon Augenwischerei, wenn man melde: "Im Quartalsvergleich konnte das Unternehmen gegenüber dem Vorquartal eine Umsatzsteigerung um rund 25 Prozent realisieren." Nach dem blamablen zweiten Quartal nun wirklich kein Wunder. Natürlich lasse man nicht die Gelegenheit aus, die Terroranschläge in den USA als Grund für die weitere Verschlechterung des Geschäftsklimas anzuführen, an den 37 Mio. Euro Umsatz, die man 2001 erwirtschaften wolle, halte man aber fest.

Vor einer Woche nun: Stühle rücken bei der "Neue Sentimental Film GmbH": die beiden Geschäftsführer fliegen, Tom Gläser, CEO der AG, übernimmt die Frankfurter GmbH zusätzlich, so die Börsenkenner von "Bluebull". Als Vorgeschmack auf künftige Zahlen merke man noch stolz an, man habe in den letzten Wochen "Werbespots für Dresdner Bank,
Postbank, Dr. Oetker und DWS" realisiert.

Der dürfte bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2001 vollkommen verstummt sein. 34,40 Mio. Euro Umsatz habe man erzielt. Und wieder die Augenwischerei in der Ad hoc-Meldung, in der man angebe, zum Vorquartal ein Wachstum von 66% hingelegt zu haben. Das sei zwar richtig, aber dass der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um über 15% rückläufig gewesen sei, das verschweige man lieber. Vielleicht gebe es ja Anleger, die es nicht bemerkten?!

Restlos ziehe es einem dann beim EBIT die Schuhe aus. 9,47 Mio. Miese stünden da auf einmal zu Buche. Der Kommentar hierzu in der heutigen Ad hoc-Meldung sei des Amusements wegen allein angeführt worden: "Bei Vernachlässigung der Sondereffekte, die einmalig das Jahresergebnis belasten, ergibt sich ein bereinigtes EBIT in Höhe von Euro -3,93 Mio., welches trotz der äußerst schwierigen Marktbedingungen deutlich über dem Marktdurchschnitt liegt." Wenn man alles vernachlässige, sei man also besser als der Schnitt. Die Experten von "Bluebull" sind begeistert (vor allem, weil man offenbar die Medienwerte, die operative Gewinne verbuchen, hier erfolgreich verdrängt hat).

"Nach umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen, erheblichen Kostenreduktionen und unter Berücksichtigung der vorgenommenen Risikoabschläge im Jahr 2001 erwartet die Neue Sentimental Film AG für das Jahr 2002 wieder ein positives Ergebnis." In einem Jahr werde man das Resultat sehen, sofern das Geld bis dahin reiche. Bis dahin tröste man sich mit den vom Flug eines Engelchens begleiteten salbungsvoll-poetischen Zeilen auf der Website des Unternehmens: "Wir träumen von einer besseren Welt...".



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