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Analysen - Nebenwerte
30.10.2009
Schmack Biogas strikt meiden
Geldanlage-Report

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Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Die Experten vom "Geldanlage-Report" raten, die Aktie von Schmack Biogas (ISIN DE000SBGS111/ WKN SBGS11) strikt zu meiden.

Die vergangene Woche sei eine katastrophale für Anleger gewesen, die auf Biogas setzen würden: Zunächst habe Branchenprimus EnviTec die Aktionäre mit einer deftigen Gewinnwarnung geschockt, die scheinbar aus heiterem Himmel gekommen sei: Statt wie geplant 150 bis 200 Millionen Euro schaffe man nun doch nur ca. 110 Millionen Euro Umsatz. Damit könne man gerade noch ein ausgeglichenes Ergebnis erwarten.

Dabei habe die Branche erst vor kurzem wieder Hoffnung geschöpft. Nach der Neuordnung des EEG sei endlich regulatorische Klarheit in der Branche vorhanden gewesen. Allerorten habe es optimistische Stimmen zur Auftragsentwicklung im zweiten Quartal gegeben. Noch Anfang Oktober hätten die Analysten der Berenberg Bank das Kursziel für EnviTec dramatisch von 6,20 Euro auf 19,00 Euro angehoben und die Aktie auf "kaufen" gestuft.

Nun die Ernüchterung: Viele Projekte müssten wegen Finanzierungsschwierigkeiten verschoben werden. Die Nachwirkungen der Finanzkrise in der Realwirtschaft würden voll durchschlagen. Die Banken seien nach wie vor knauserig. Die überschüssige Liquidität wandere direkt in die Finanzmärkte, komme aber beim Mittelstand nicht an.

Obwohl die EnviTec-Aktie dramatisch von 16,50 auf 12,00 Euro verloren habe, sei der entstandene Schaden gering im Vergleich zum Desaster beim Konkurrenten Schmack Biogas.

Schmack Biogas, beim Börsengang einst das Aushängeschild der deutschen Biogas-Branche und dann lange Jahre zumindest auf Augenhöhe mit EnviTec, habe nur einen Tag nach der Gewinnwarnung von EnviTec Insolvenz anmelden müssen.

Auch bei Schmack Biogas sei die Pleite auf den ersten Blick überraschend gekommen: Zuletzt seien die Umsätze um 41 Prozent auf 42,1 Millionen Euro gestiegen, das Auftragsvolumen bei 147,5 Millionen Euro sogar sehr ansehnlich. Sogar der Verlust sei deutlich zurückgegangen, habe aber immer noch satte 8,3 Millionen Euro betragen. Trotzdem sei noch im Zwischenbericht ein Cashbestand von neun Millionen Euro ausgewiesen worden. Wie habe es nun trotzdem so schnell zur Insolvenz kommen können?

Die Ursachen würden hier in drastischen Managementfehlern der Vergangenheit liegen. Eine ungezügelte Expansion, sowohl organisch als auch durch Zukäufe und ein hohes Forschungs- und Entwicklungsbudget hätten zu einer regelrechten Kostenexplosion geführt. Solange das Branchenumfeld freundlich gewesen sei, seien daraus keine größeren Probleme erwachsen. Geldgeber, die neues Kapital zur Verfügung gestellt hätten, hätten quasi Schlange gestanden. Aktionäre seien bereit gewesen fast jeden Preis für das Papier zu bezahlen. Innerhalb eines Jahres nach Börsengang habe sich der Kurs in der Spitze auf 76,20 Euro verdoppelt.

Dann sei am 26. Juli 2007 der erste Schock gefolgt: Schmack Biogas habe eine Gewinnwarnung veröffentlicht, weil das Geschäft mit kleinen Biogasanlagen nicht mehr gelaufen sei. Steigende Preise für die landwirtschaftlichen Rohstoffe, die zur Erzeugung von Biogas verwendet worden seien, hätten den Betrieb der Anlagen für die Landwirte zunehmend unrentabel gemacht.

Rund einen Monat später habe auch EnviTec mit der Vorlage der Halbjahreszahlen enttäuscht. Bereits damals sei ein deutlicher und letztlich entscheidender Unterschied zwischen den beiden Unternehmen ersichtlich geworden: EnviTec habe sofort auf die Kostenbremse getreten, während Schmack Biogas seinen Expansionskurs beibehalten habe.

Fairerweise müsse erwähnt werden, dass EnviTec natürlich beim Börsengang fast den Höhepunkt der Biogas-Euphorie abgepasst habe und bei einem Ausgabepreis der vier Millionen Aktien zu 47,00 Euro brutto 188 Millionen Euro eingenommen habe. Bei Schmack Biogas seien es "nur" 62 Millionen Euro gewesen. EnviTec zehre auch gut zwei Jahre nach dem Börsengang von dieser Geldspritze auch wenn der Cashberg bis Ende 2008 auch auf 58,3 Millionen Euro zusammengeschmolzen sei.

Das Geld sei bei EnviTec allerdings wesentlich besser investiert worden. Das Eigenkapital habe bei rund 175 Millionen Euro zumindest konstant gehalten werden können. Die Verbindlichkeiten hätten Ende 2008 bei rund 14 Millionen und damit nur bei einem Bruchteil von denen des Konkurrenten Schmack Biogas gelegen.

Bei Schmack Biogas hätten dem Schuldenberg von 58 Millionen Euro zuletzt nur noch liquide Mittel von 9 Millionen Euro entgegengestanden. Das Eigenkapital sei Ende 2008 bereits auf 34 Millionen Euro zusammengeschmolzen.

Das Problem: Wer investiere in Zeiten der Finanzkrise in ein Unternehmen mit derart schlechten Bilanzrelationen? Einen deutlichen Denkzettel habe es im Januar dieses Jahres gegeben: Zu einem Bezugspreis von 3,07 Euro hätten nur noch 2,067 Millionen neue Aktien an den Mann gebracht werden können. Damit seien Schmack Biogas brutto gut 6 Millionen Euro zugeflossen - deutlich weniger als erwartet.

Scheinbar unbeeindruckt habe das Management dann aber noch im Juli den Markteintritt in Großbritannien und exakt einen Monat später auch in Frankreich verkündet. Offenbar habe man im Hause Schmack Biogas versucht - wieder mal - die Flucht nach vorne anzutreten. Angesichts des wieder anziehenden Auftragseingangs und der Reduzierung des Verlusts im Halbjahr habe man sich offenbar in Sicherheit gewähnt. Doch die Rechnung sei ohne die Banken gemacht worden, die dem Unternehmen neue Kredite verwehrt hätten.

Als letzter Ausweg sei nur noch die Anmeldung der Insolvenz geblieben. Zunächst könne wenigstens der operative Betrieb fortgeführt werden. Das lockte zum Ende der Woche Zocker in die Schmack Biogas-Aktie, doch unter dem Strich müssen die Altaktionäre nach Meinung der Experten vom "Geldanlage-Report" wohl mit einem Totalverlust rechnen.

Der Brancheneinbruch im Biogas-Segment sei nicht die Schuld von Schmack Biogas gewesen, wohl aber die anhaltende ungezügelte Expansion bei mangelnder Kostendisziplin. So sei das eigene Schicksal letztlich in der Hand der Banken gewesen - und die hätten den Daumen gesenkt. Zuviel Geld habe Schmack Biogas in der Vergangenheit bereits verbrannt. Anleger sollten daraus lernen und Firmen mit schlechten Bilanzstrukturen, hohen Verlusten und negativem Cashflow strikt meiden, so die Experten vom "Geldanlage-Report" (Analyse vom 30.10.2009) (30.10.2009/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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