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Analysen - Marktberichte
17.02.2011
Leitzinserhöhungen im Schatten der Verschuldungsproblematik
fairesearch

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Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Gegen Leitzinserhöhungen auf absehbare Sicht wird häufig als Argument die Verschuldungsproblematik der Industrieländer angeführt, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

In der Europäischen Union würden sich 24 Mitgliedsländer um eine Senkung der Budgetdefizite bemühen. Besonders in den hoch verschuldeten Peripherieländern könnten aber steigende Zinsen die Budgeteinsparungen übertreffen und zu einem konjunkturellen Desaster führen. Die Bankinstitute in der EU könnten höhere Sätze wahrscheinlich auch nur schwer verkraften. In der am höchsten verschuldeten Nation der Welt, den USA, könnte eine steigende FED Funds Rate alle Konjunkturhoffnungen ersticken. In Japan halte die Bank of Japan die Leitzinsen schon seit 20 Jahren bei 0%; trotz extremer Staatsverschuldung halte die Konjunkturflaute dort an.

Die Investmentbank Morgan Stanley (ISIN US6174464486/ WKN 885836) z.B. sei der Meinung, dass sich die Zentralbanken mit Blick auf die Finanzstabilität mit Zinserhöhungen zurückhalten würden. Die wirtschaftliche Erholung sei nicht zuverlässig und das Risiko einer Inflation geringer als das Risiko einer neuerlichen Rezession. Das Maß an Unsicherheiten sei so hoch, dass die Zentralbanken passiv bleiben würden.

Die Finanzmärkte dagegen hätten die Inflationsgefahren längst erkannt. Insbesondere die Rentenmärkte würden äußerst sensibel auf eine drohende Geldentwertung reagieren. Die Break-even-Inflationsrate als Differenz zwischen festverzinslichen und inflationsgeschützten Bundesanleihen sei seit September 2010 gewachsen und spiegele eine Inflationserwartung auf Basis von fünf Jahren von jährlich 1,5%. Diese Erwartung werde sich vermutlich weiter erhöhen.

Die britischen Gilts seien in letzter Zeit stärker gefallen als die Bunds oder die Treasuries, da die britische Teuerungsrate auf 4,0% weit über das Ziel der BoE von 2% hinausgeschossen sei. In der Eurozone habe die EZB den Ton nach Bekanntgabe der neuesten Teuerungsrate von 2,4% (Ziel knapp 2%) verschärft und betone, dass sie jederzeit bereit sei, die Zinsen zu erhöhen, falls sich Zweitrundeneffekte bilden würden oder ein sich selbst verstärkender inflationärer Prozess drohen sollte.

In den USA würden die Konsumentenpreise ohne Energie und Nahrungsmittel (core rate) nur um 0,8% steigen. Doch diese Rate sei als Inflationsbarometer sehr umstritten. Welche Verbraucher seien das, die im Alltag ohne Energie und Nahrungsmittel auskämen? Es seien diejenigen Amerikaner, die nichts essen oder trinken, niemals Auto fahren und ihre Wohnungen weder heizen noch kühlen würden. Würde man die Konsumentenpreise nach der Methode errechnen, die bis 1983 angewendet worden sei, würde sich die Inflation auf 8,7% stellen (Quelle: Shadow Government Statistics). Wenn man den US-CPI nach der HICP-Methode berechne, falle er ca. zwei Prozentpunkte höher aus.

Trotz der Verschuldungsproblematik würden die Finanzmärkte die Inflationsgefahren künftig doch kritischer hinterfragen und Leitzinserhöhungen erwarten. (17.02.2011/ac/a/m)



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