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Analysen - TecDAX
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25.05.2011
Drillisch freenet-Aktienpaket - ein Dilemma für Drillisch?
Warburg Research
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www.optionsscheinecheck.de
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Hamburg (aktiencheck.de AG) - Jochen Reichert, Analyst von Warburg Research, stuft die Drillisch-Aktie (ISIN DE0005545503/ WKN 554550) weiterhin mit dem Rating "halten" ein.
Nach der Anteilsaufstockung an freenet (ISIN DE000A0Z2ZZ5/ A0Z2ZZ) auf knapp über 20% sowie der Ankündigung, dass zwei Aufsichtsräte bei freenet ihr Mandat niederlegen würden, stelle sich die Frage: Wie gehe es jetzt weiter?
freenet sei kein Finanzinvestment: Drillisch könnte über die Hauptversammlung darauf hinwirken, dass freenet mehr als die avisierten EUR 0,80 Dividende ausschütte. Entsprechend würde sich die Dividendenrendite von derzeit etwa 10% erhöhen. Der Anteil des freenet-Pakets am aktuellen EV (EUR 520 Mio.) von etwa 52% sei für eine reine Finanzbeteiligung zu groß. Grundsätzlich sei es für einen Investor lukrativer, die freenet-Aktie direkt zu erwerben, da die freenet-Dividendenzahlung steuerfrei sei.
Selbst wenn es gelinge, die zwei neu zu vergebenden Aufsichtratsmandate im Sinne von Drillisch zu besetzen, dürfte es insgesamt schwer werden, über die Aufsichtsräte Einfluss auf die Strategie von freenet zu gewinnen. Drillisch sei zudem einer der wesentlichen Konkurrenten von freenet. Der Betriebsrat bei freenet habe erheblichen Einfluss und dürfte aufgrund der bewegten Vergangenheit zwischen Drillisch und freenet wenig dazu geneigt sein, Vorstellungen von Drillisch (z.B. gemeinsamer Einkauf, Optimierung der Verkaufskanäle, etc.) umzusetzen.
freenet habe bereits bekannt gegeben, dass der Aufsichtsratsvorsitzende von freenet Thorsten Kraemer und das Aufsichtsratsmitglied Prof. Dr. Thoma ihre Mandate zur freenet-Hauptversammlung niederlegen würden. Zudem habe der freenet-AR vorgeschlagen, Herrn Dr. Hartmund Schenk (derzeit amtierender AR-Vorsitzeder von Drillisch) und Herrn Niclas Rauscher (Vorstandsmitglied bei BDO) als Nachfolger vorzuschlagen.
Das große Ziel sei die Zusammenführung von freenet und Drillisch zu einem gemeinsamen Unternehmen. Die aus WR-Sicht ökonomisch einzig sinnvolle Begründung für die Aufstockung der Anteile könne nur sein, langfristig auf ein Zusammengehen zwischen Drillisch und freenet hinzuwirken. Dies wäre strategisch zu begrüßen, da Drillisch sich auf Internetvertriebskanäle konzentriere und freenet auf stationäre Vertriebskanäle (insbesondere Saturn/Media Markt) fokussiert sei. Darüber hinaus sollten sich erhebliche Kostensynergien ergeben (Einkauf bei Netzbetreibern und Endgeräteherstellern, Personal, IT, Kundenbetreuung).
Schließlich könnte auf den Drillisch-Gewinn sowie auf den durch Synergien zusätzlich entstehenden Gewinn eine niedrige Steuerquote von ca. 12% angesetzt werden. Jedoch komme eine Übernahme von freenet (durch Drillisch) nicht infrage, da mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verlustvorträge von freenet verloren gehen würden. Daher bleibe als Durchführungsweg eine Gründung eines neuen Unternehmens auf das die Vermögenswerte von Drillisch und freenet übertragen würden. Als zweite Möglichkeit könnte freenet als Übernehmender auftreten und ein Gebot für Drillisch abgeben. Für beide Durchführungswege müsse das freenet-Management bzw. der freenet-Aufsichtsrat gewonnen werden. Dies erscheine zumindest kurzfristig noch nicht realistisch. Damit befinde sich Drillisch (zumindest temporär) in einem Dilemma. Die Dividendenzahlung von freenet sei zwar attraktiv, als reine Finanzbeteiligung sei das freenet-Aktienpaket jedoch zu groß.
Die ökonomisch beste Lösung - beide Gesellschaften zusammenzuführen - sei nur möglich, wenn bei freenet Vorstand und Aufsichtsrat überzeugt werden könnten. Kurzfristig werde dies als unwahrscheinlich erachtet. Es werde jedoch als extrem unwahrscheinlich erachtet, dass das Management von Drillisch das Ziel einer gemeinsamen Lösung ad acta lege. Lediglich ein deutlich höheres Kursniveau der freenet-Aktie könnte die Beteiligung zu einem Finanzinvestment machen, da sich Drillisch dann für einen Verkauf entscheiden könnte.
Das SotP-basierte Kursziel der Analysten von Warburg Research für die Drillisch-Aktie lautet weiter EUR 8,80, das Rating "halten" bleibt unverändert. (Analyse vom 25.05.2011) (25.05.2011/ac/a/t)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Das Wertpapierdienstleistungsunternehmen oder ein mit ihm verbundenes Unternehmen handeln regelmäßig in Aktien des analysierten Unternehmens. Weitere möglichen Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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