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Analysen - Marktberichte
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05.11.2012
Japanischer Aktienmarkt tendierte im Oktober per saldo leicht aufwärts
Union Investment
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Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der japanische Aktienmarkt tendierte im Oktober per saldo leicht aufwärts, so die Experten von Union Investment.
Im Monatsvergleich habe der Nikkei Index (ISIN XC0009692440/ WKN 969244) bei einer Schlussnotierung von rund 8.928 Punkten ein Plus von knapp einem Prozent verbucht.
Das Marktgeschehen sei im Berichtsmonat vor allem von den anstehenden Unternehmensergebnissen dominiert gewesen. Alles in allem seien sie bislang wenig erfreulich ausgefallen. So habe etwa die Elektronikindustrie mit einer schwachen Nachfrage nach PCs und Fernsehgeräten zu kämpfen. Im Automobilsektor mache sich der Territorialstreit zwischen China und Japan um eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer negativ bemerkbar, da er zu einem Boykott japanischer Produkte in China geführt habe.
Honda (ISIN JP3854600008/ WKN 853226), Japans drittgrößter Automobilhersteller, habe vor diesem Hintergrund seine Gewinnerwartungen und Umsatzprognosen deutlich zurückgenommen. Auch der Kamerahersteller Canon (ISIN JP3242800005/ WKN 853055) habe unter den Querelen mit China zu leiden gehabt. Obwohl es hinter den Kulissen auf diversen diplomatischen Kanälen Gespräche geben solle, sei mit einer Situationsverbesserung in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Insofern würden die Ergebnisse für das vierte Quartal ebenfalls beeinträchtigt sein.
Zu den Ertragsminderungen beigetragen habe auch die Konjunkturabkühlung in Europa. So habe etwa Fanuc (ISIN JP3802400006/ WKN 863731), ein Produzent von Robotern, aufgrund des schwachen Europa-Geschäftes seine Prognose nach unten revidieren müssen. In diesem eher negativen Szenario sei allerdings positiv zu vermerken, dass trotz der schlechten Zahlen und verhaltenen Schätzungen die Aktien der betroffenen Unternehmen keine neuen Tiefststände verzeichnet hätten.
Den Yen, der im dritten Quartal eher seitwärts tendiert habe, habe dieses Mal keine Schuld am enttäuschenden Abschneiden der japanischen Industrie getroffen. Alles in allem jedoch sei die Stimmung am Markt deutlich angeschlagen gewesen. Die Rufe nach aggressiven, weiteren Lockerungsschritten der Bank of Japan (BoJ) seien dabei immer lauter geworden, zumal die jüngsten Konjunkturdaten überraschend schwach ausgefallen seien.
So habe die Industrieproduktion im September ihre Talfahrt kräftig fortgesetzt. Während Experten mit einem Rückgang von 3,3 Prozent gerechnet hätten, habe die Abschwächung 4,1 Prozent betragen. Dies sei das stärkste Minus seit dem Rekordeinbruch von 16,2 Prozent im März 2011 nach der verheerenden Naturkatastrophe gewesen. Gegen Monatsende habe die BoJ dann tatsächlich bekannt gegeben, ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren von zuletzt 80 auf 91 Billionen Yen auszuweiten. Allerdings scheine die Glaubwürdigkeit der BoJ gelitten zu haben, denn nach Bekanntwerden der Pläne habe sich der Nikkei Index auf den Rückzug begeben und habe mit einem Tagesverlust von rund einem Prozent geschlossen.
Schon vor der japanischen Notenbank habe die Regierung weitere Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung ergriffen und damit ihre zuvor recht zuversichtliche Haltung geändert. Bislang seien dank eines stabilen privaten Konsums sowie steigender Ausgaben für den Wiederaufbau der im letzten Jahr vom Erdbeben und Tsunami zerstörten Region im Nordosten des Landes insgesamt positive Impulse auf das inländische Wachstum erwartet worden.
Die BIP-Schätzungen hätten bereits bei über zwei Prozent für das laufende Fiskaljahr gelegen, das am 31.03.2013 ende. Nunmehr aber werde Japans Regierung um Premierminister Yoshihiko Noda vor dem Hintergrund der anhaltenden Euro-Schuldenkrise, der abgeschwächten Wirtschaft in China sowie dessen Boykott japanischer Waren ein weiteres Hilfspaket von umgerechnet neun Milliarden US-Dollar auf den Weg bringen.
Sollten die Maßnahmen von BoJ und Regierung greifen und Konjunkturhoffnungen wieder am Markt Einzug halten, dann dürfte im Nikkei Index eine Bodenbildung stattfinden. Gleichwohl sei kein bemerkenswerter Kursausbruch nach oben zu erwarten. Allerdings seien die Kurse durch Dividendenrendite, günstige Bewertung und durchweg gute Bilanzen der Unternehmen solide gestützt. (05.11.2012/ac/a/m)
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