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Analysen - Ausland
11.11.2002
Telecom Italia akkumulieren
Nord LB

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Bei Kursschwäche Aktien der Telecom Italia S.p.A. (WKN 852568) ordern. Dies empfiehlt Analyst Jürgen Bartz von der Norddeutschen Landesbank.

Für die ersten neun Monate 2002 habe Telecom Italia (TI) mit guten Geschäftszahlen beeindrucken können. Der Konzern habe einen konsolidierten Nettogewinn von 1,2 Mrd. Euro erzielt, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 328 Mio. Euro ausgewiesen worden sei. Von Unternehmensseite sei dieses positive Ergebnis mit dem über den Marktprognosen liegenden Betriebsergebnis, diversen Beteiligungsverkäufen, die im Zeitraum Januar-September insgesamt 3,6 Mrd. Euro eingebracht hätten, sowie einem harten Sparkurs begründet worden. Der Umsatz sei im Vergleich zum Vorjahr um 3,7% auf 22,44 Mrd. Euro geklettert. Da sich der Konzern schneller als erwartet von Teilen der nicht mehr zum Kerngeschäft zählenden Aktivitäten habe trennen können, sei es gelungen, die Netto-Verbindlichkeiten in den ersten neun Monaten um rund 4,3 Mrd. Euro auf 17,66 Mrd. Euro abzubauen.

Den angekündigten Rückzug aus Österreich habe TI jetzt gestartet und 75 Mio. Aktien von Telekom Austria im Wert von 575 Mio. Euro an die Investmentbanken JP Morgan und Merrill Lynch abgegeben, die jetzt institutionelle Investoren suchen würden. Durch diesen Teilverkauf hätten die Italiener ihren Anteil am österreichischen Telekommunikationskonzern von 29,8% auf knapp 15% so gut wie halbiert. Laut einem Vertrag mit dem Telekom Austria Großaktionär ÖIAG dürfe TI seine restliche Beteiligung erst im nächsten Jahr verkaufen.

Im Zuge der Neuausrichtung des Konzerns wolle TI seine Festnetzaktivitäten auf den Inlandsmarkt konzentrieren und hier zukünftig hauptsächlich in neue Serviceangebote investieren. Von der für die nächsten drei Jahre vorgesehenen Investitionssumme von insgesamt 16 Mrd. Euro sollten allein jeweils 7 Mrd. Euro in die Modernisierung des Festnetzes bzw. in den Mobilfunksektor fließen. Die Mobilfunktochter TIM, die neben dem von ihr dominierten italienischen Markt einen weiteren Geschäftsschwerpunkt in Lateinamerika habe, solle darüber hinaus aber auch Expansionschancen im Mittelmeerraum sowie in Mitteleuropa wahrnehmen.

Das Researchteam der Nord LB rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 31,6 Mrd. Euro sowie einem EBITDA von 14,1 Mrd. Euro. Nächstes Jahr sollten die Erlöse auf 32,4 Mrd. Euro und das EBITDA auf 15 Mrd. Euro steigen.

Nach dem guten Halbjahresergebnis hätten auch die Neunmonatszahlen des Konzerns überzeugen können. Nicht zuletzt habe der kräftige Abbau der Verschuldung um fast 20% seit Jahresbeginn dank einer zügigen Bereinigung des Beteiligungsportfolios beeindruckt. Die neue Konzernstrategie sehe vor, dass sich Telecom Italia auf das inländische Festnetzgeschäft konzentriere, während die Mobilfunktochter TIM mit ihren Kernregionen Italien und Südamerika auch Expansionsmöglichkeiten in Europa nutzen solle.

Telecom Italia, ein insgesamt gut positionierter Konzern, stufen die Analysten der Nord LB unverändert mit "akkumulieren" ein.



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