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Analysen - Neuer Markt
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16.12.2002
Intershop verkaufen
Nord LB
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Aktien der Intershop Communications AG (WKN 622700) aus dem Depot entfernen, dies rät der Analyst Michael Seufert von der Norddeutschen Landesbank.
Intershop habe die Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Entsprechend der Anfang Oktober reduzierten Umsatzprognose habe das Unternehmen nur 8,9 Mio. Euro erlöst statt der erhofften circa 12 Mio. Euro des Vorquartals. Das Management habe dies mit der weltweiten Konjunkturschwäche, der Zurückhaltung bei IT-Investitionen und saisonalen Effekten in Europa begründet.
Die Lizenzerlöse seien im Vergleich zum zweiten Quartal um 44% auf 3,5 Mio. Euro eingebrochen, während die Serviceumsätze weniger stark von 5,8 auf 5,4 Mio. Euro gesunken seien. Die Rohertragsmarge habe sich gegenüber dem Vorquartal aufgrund des gefallenen Umsatzanteils der margenstarken Lizenzerlöse von 59% auf 48% verschlechtert. Angesichts des schwierigen Marktumfeldes habe sich Intershop im dritten Quartal nach eigenen Angaben auf die Senkung der Betriebskosten sowie die Reduzierung des Netto-Barmittelverbrauchs konzentriert.
Die Kostensenkungsmaßnahmen hätten im Vergleich zum zweiten Quartal 2002 zu einem 7% niedrigeren betrieblichen Aufwand von 12,1 Mio. Euro geführt. Trotzdem sei der Verlust um 30% auf 7,5 Mio. Euro gesprungen. Das Kosten-Senkungspotenzial erscheine inzwischen jedoch weitestgehend ausgeschöpft. Die Ausgaben für F&E könnten schwerlich weiter sinken ohne dem Unternehmen mittelfristig strategisch zu schaden. Außerdem wolle das Management in 2003 durch verstärkte Anstrengungen bzw. Ausgaben in Vertrieb und Marketing mehr Umsatzwachstum schaffen. Liquide Mittel, handelbare Wertpapiere und liquide Mittel mit Verfügungsbeschränkung hätten Ende September 20,4 Mio. Euro betragen.
Auf der außerordentlichen HV vom 30. Oktober sei die Kapitalherabsetzung auf 19,3 Mio. Euro verbunden mit der Zusammenlegung von 5 alten gegen 1 neue Intershop Aktie beschlossen worden. Die Umsetzung solle noch vor Jahresende erfolgen. Nach dieser Maßnahme hoffe das Management, mit der Hilfe der Investmentbank ING Barings Finanzinvestoren zu finden, die bereit seien, neues Kapital in Höhe von circa 20 bis 30 Mio. Euro zur Verfügung zu stellen, um eine erfolgreiche Weiterführung des Geschäftsbetriebs sichern zu können.
Das Researchteam der Nord LB rechne für das Jahr 2002 mit einem Umsatz von 47 Mio. Euro sowie einem Verlust von 31 Millionen Euro. Dieses Jahr sollen die Erlöse auf 55 Millionen Euro steigen und der Verlust bei nur noch 10 Millionen Euro liegen.
Auch im dritten Quartal hätten sich Verlustausweis, Umsatzschwäche und Verbrauch liquider Mittel fortgesetzt. Die operative Wende sei bisher trotz der erfolgreichen Einsparmaßnahmen ausgeblieben. Intershop halte an der Prognose eines positiven EBITDA-Ergebnisses für das vierte Quartal fest, schließe gleichzeitig jedoch einen Verlust von bis zu 3 Mio. Euro nicht aus.
Angesichts der Unsicherheiten hinsichtlich der operativen Entwicklung sowie der angestrebten Kapitalaufnahme und vor dem Hintergrund der starken Kurs-Volatilität und des hohen Risikopotenzials der Anlage rät das Researchteam der Nord LB dem konservativen Privatanleger weiterhin von einem Engagement in der Intershop-Aktie ab.
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