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Analysen - Nebenwerte
14.09.2000
Sanacorp verkaufen
Sal. Oppenheim

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Die Analysten von Sal Oppenheim stufen die Aktien der Sanacorp Pharmahandel AG (WKN 716313) auf „Verkaufen“ ein.

Der Leitspruch des Unternehmens „Tradition und Moderne“, zuletzt veröffentlicht im Geschäftsbericht 1998/1999, zeige zugleich das größte Problem des genossenschaftlich organisierten Unternehmens auf. Die aus den Apothekergenossenschaften EGWA, WIVEDA, WIGESA und NORDAG entstandene Sanacorp sei durch die Eigentümerstruktur auch heute noch eng an die Apotheker angelehnt. Die Muttergesellschaft, die pharmazeutische Großhandlung eG mit etwa 6.500 eingetragenen Mitgliedern, fungiere als vermögensverwaltende Besitzgenossenschaft der Apotheker. Sie halte100 % der Stimmrechte sowie 75 % des Eigenkapitals der börsennotierten Sanacorp Pharmahandel AG. Von dem gezeichneten Kapital in Höhe von DM 40 Mio. (oder 8 Millionen Aktien) sei damit nur DM 10 Mio. (oder 2 Millionen Aktien) als stimmrechtloses Vorzugskapital an der Börse zugelassen.

Aus dieser Beteiligungsstruktur würden gravierende Nachteile für das Unternehmen resultieren, insbesondere für institutionelle Investoren. Das geringe gehandelte Volumen, die derzeitige Marktkapitalisierung von nur 137 Mio. Euro sowie die fehlende Möglichkeit einer Mitsprache würden auch in Zukunft keinen Anreiz für Investitionen in die Aktie darstellen. Ein positiver Aspekt des Wertes sei die hohe Dividendenrendite. In den letzten Jahren habe die Dividendenrendite inklusive der Steuergutschrift zwischen 6,6% (1997) und 8,1 % (1999) betragen, was aber die schwache Performance des Kurses kaum wettmache.

Die offensichtlichen Möglichkeiten, dem wachstumsschwachen Pharmagroßhandel in Deutschland neuen Antrieb zu verschaffen, habe das Unternehmen verpasst. Weder die Vorwärtsintegration in den lukrativen Apothekenhandel noch die Expansionsmöglichkeiten in neue regionale Märkte sei von dem Unternehmen in der Vergangenheit wahrgenommen worden. Auch in der Zukunft erwarten die Analysten nicht, dass Sanacorp seine Strategie ändere.

Anstelle der beiden genannten Möglichkeiten habe sich Sanacorp für den Ausbau des sogenannten Pre-Wholesaling entschieden, also für die Übernahme kompletter Logistikdienstleistungen für die Pharmahersteller, zumeist an den Produktionsstätten der Pharmaunternehmen. Dazu sei eigens eine Tochtergesellschaft gegründet worden, die Sanalog Logistik GmbH. Das Volumenpotenzial in diesem Geschäftsbereich halte man für hoch, da sich in Zukunft die Pharmahersteller noch mehr auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren würden und die Logistik mittels Outsourcing fremdvergeben würden. Das Oppenheim-Research-Team halte jedoch das Ertragspotenzial dieses Geschäftsbereichs für sehr gering. Diese Tätigkeit erfordere nicht sehr viel Know-how und könne ebenso durch beliebige Logistikdienstleister wahrgenommen werden. Dies werde zu einem margenverzehrenden Wettbewerb innerhalb des Pre-Wholesaling führen.

Für die kommenden Geschäftsjahre rechne man deshalb mit einer nur mäßigen Umsatzentwicklung. Im aktuellen Geschäftsjahr (1999/2000) erwarten die Experten von Oppenheim einen außerordentlichen Ergebnisbeitrag aufgrund des Verkaufs der 31,5 %-igen Beteiligung an Herba Chemosan an die Stuttgarter Gehe AG, der zudem steuerfrei sein werde. Diese Beteiligung sei von Sanacorp in mehreren Tranchen erworben worden. Im Vergleich zu den von Sanacorp bezahlten Preisen sowie den Preisen, die Gehe für die Übernahme des Aktienpaketes gezahlt habe, rechnen man mit einem sonstigen betrieblichen Ertrag in Höhe von DM 73 Mio., der im laufenden Geschäftsjahr sowohl EBIT als auch den Jahresüberschuss deutlich steigern werde.

Für das dann folgende Geschäftjahr (2000/2001) rechneten die Anlageexperten aufgrund des Einmaleffektes hingegen auch im Ergebnis mit einem ausgeprägten Rückgang auf ein normales Niveau. Die Nettoumsatzrendite werde auch in Zukunft nicht steigen, da der Pharmagroßhandel, zumindest in Deutschland, keine Dynamik des Ertragswachstums verspreche.



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