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Analysen - Neuer Markt
17.10.2000
Freenet übergewichten
Performaxx

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Sicherlich ist das Umfeld für Internetprovider angesichts des Margendrucks im Zugangsgeschäft sowie rückläufigen Werbebannerpreisen nicht gerade günstig. Dennoch sind die Zahlen von Freenet (WKN 579200) für das 3. Quartal gut ausgefallen und bekräftigen die Analysten von Performaxx in der Favorisierung von Freenet innerhalb der ISP-Branche.

Die Kundenzahl habe von 1,275 Mio. im 2. Quartal auf nun 1,4 Mio. aktive Nutzer gesteigert werden können Der Gesamtumsatz im 3. Quartal habe sich auf 10,72 Mio. DM belaufen, was einer Steigerung von 17% gegenüber dem Vorquartal bzw. 1875% gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal entspreche. Überaus positiv würden sich die Einnahmen im Werbegeschäft (plus 24% gegenüber dem 2. Quartal auf 3,72 Mio. DM) und im E-Commerce-Bereich (plus 30% gegenüber dem Vorquartal auf 1,97 Mio. DM) entwickeln.

Damit würden erstmals mehr als 50% der Umsätze auf diese beiden Segmente entfallen. Nachdem die Umsätze aus der Konnektivität noch im 2. Quartal um mehr als 20% gegenüber dem 1. Quartal auf 4,61 Mio. DM zurückgegangen seien, sei hier eine Erholung zu verzeichnen. Der anhaltende Margenverfall habe durch deutliche Kundenzuwächse überkompensiert werden können, so daß es insgesamt zu einem quartalsweisen Zuwachs im 3. Quartal um 9% auf 5,04 Mio. DM gekommen sei. Auch wenn die Ertragsentwicklung im 3. Quartal erst nach Bekanntgabe der endgültigen Zahlen am 8. November veröffentlicht werde, habe den Analysten von Performaxx ein Unternehmenssprecher signalisiert, daß zumindest keine negativen Überraschungen zu erwarten seien.

Bei einem Gesamtumsatz von 28,18 Mio. DM für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres dürften bisherigen Umsatzprognosen von 40 Mio. DM für dieses Jahr übertroffen werden. Die Analysten würden daher die aktuellen Quartalszahlen zum Anlaß nehmen, um ihre Umsatzschätzungen für dieses Jahr auf 50 Mio. DM heraufzusetzen. Auf Basis der neuen Prognose ergebe sich für das Jahr 2000 ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 50. Die Umsatzerwartungen für 2001 würden unverändert bei 100 Mio. Euro belassen. Hieraus resultiere ein Kurs-Umsatz-Verhältnis in 2001 von 25.

Neben den guten Quartalszahlen seien auch Maßnahmen zur Stärkung der Marktposition im Content- und Breitbandbereich bekannt gegeben worden. An dem Expertennetzwerkbetreiber N-tree wurden 75,1% der Anteile erworben. N-tree betreibe unter MeOme.de ein Expertenportal, das mit 1,5 Mio. Page-Impressions nach Angaben von Freenet das größte seiner Art in Europa sei. Bei Expertennetzwerken handele es sich um ein Portal, bei dem sich User, die sich für Experten auf einem Fachgebiet halten würden, anmelden und dann ihr Wissen in einem abgegrenzten Bereich feilbieten könnten. Die fachliche Kompetenz der Experten werde allerdings nicht anhand von Zeugnissen, Diplomen u.ä. überprüft. Als Gegenleistung für den Betrieb ihres Bereichs würden die Experten eine Vergütung erhalten, die sich nach dem von ihnen erzeugten Traffic bemesse. Außerdem könnten sie direkt via E-Mail oder in Foren auf Fragen von Informationssuchenden antworten.

Der strategische Wert dieser Übernahme müsse allerdings kritisch hinterfragt werden. Die europäische Marktführerschaft von N-tree könne getrost als Momentaufnahme relativiert werden. Der europäische Markt für derartige Support-Portale befinde sich noch in einem embryonalen Stadium. Amerikanische Support-Portale, viele davon mit Eigenmitteln im zweistelligen Millionenbereich ausgestattet, würden bereits deutlich mehr Experten besitzen, etwa Askme.com mit über 120.000. Wegen der geringen Eintrittsbarrieren bestehe die Gefahr, daß ein amerikanisches Pendant vom Start weg Marktführer in Europa werde. Auch die demnächst an den Neuen Markt kommende Infogenie könne bereits ein Netzwerk von über 500 Experten, vorweisen, noch dazu wirklich geschulte Fachleute. Andererseits habe N-tree durch die Reichweite von Freenet nun die Chance, ihr Wachstum deutlich zu beschleunigen. Es bleibe also abzuwarten, wer das Rennen um die Marktführerschaft gewinne.

Des weiteren habe sich Freenet mit 30% an Atspeed beteiligt. Ziel dieser Beteiligung sei die Kompetenzerweiterung im Bereich der Breitbandtechnologie. Während Mobilcom die technische Infrastruktur beim Aufbau des geplanten Breitbandportals bereitstellen werde, könne Freenet nun im Bereich des Contentmanagements insbesondere bei Archivierungssoftware, Pay-per-View Technologien und Digitalisierungsverfahren auf das Know-how von Atspeed zurückgreifen.

Die Spekulationen um die Übernahme von Freenet durch die France Telecom-Tochter Wanadoo seien vorerst verstummt. Mobilcom-Chef Schmid habe abermals dementiert, daß Verhandlungen zwischen Freenet und Wanadoo stattgefunden hätten. Statt dessen würden Gespräche über eine eventuelle Allianz mit einer Reihe von Providerdiensten geführt. Potentielle Partner sehe Freenet in Großbritannien, Spanien, Italien und Belgien. Eine Investmentbank prüfe derzeit die Möglichkeiten einer Internationalisierung von Freenet.

Eine Veräußerung von Freenet sei aber weiterhin denkbar. Mobilcom würde dadurch zusätzliche Mittel für den Aufbau ihres UMTS-Netzes erhalten. Wanadoo, die bislang nur auf dem französischen Markt gut positioniert sei, suche weiter nach einer Verstärkung im Ausland. Bei einer aktuellen Kundenbewertung von 486 Euro je registriertem Nutzer dürfte Freenet jedoch auch für andere ausländische Internetprovider von Interesse sein. Hierbei sei allerdings zu berücksichtigen, daß Mobilcom bis 2001 vertraglich gebunden sei, ihre Mehrheitsbeteiligung an Freenet nicht zu veräußern. Eine Übernahme könne daher nur im Einvernehmen mit Freenet erfolgen.

Vor allem die guten Quartalszahlen und eine, gemessen am Branchendurchschnitt, relativ günstige Kundenbewertung, die Freenet zu einem potentiellen Übernahmekandidaten mache, stimmen die Analysten von Performaxx weiterhin optimistisch. Das Urteil laute deshalb nun übergewichten.



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