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Salzgitter: Papenburg gibt auf - Kursfantasie durch Konsolidierungsfantasie? 27.05.2025
aktiencheck.de
Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) - Großaktionär Günter Papenburg hat die Übernahmepläne für Salzgitter (ISIN: DE0006202005, WKN: 620200, Ticker-Symbol: SZG, NASDAQ OTC-Symbol: SZGPF) vorerst aufgegeben – die Aktie steigt trotzdem deutlich. Droht Stillstand oder eröffnet sich eine neue Bewertungschance?
Salzgitter-Aktie: Analysten sehen nur begrenztes Potenzial – Papenburg bleibt Großaktionär
Die Analystengemeinde ist gespalten: Während einige Kursfantasie sehen, bleibt der Großteil bei Halteempfehlungen. Papenburgs Rückzug von der Übernahme spielt dabei eine zentrale Rolle.
Salzgitter-Aktie: Übernahme gescheitert – doch was bedeutet das für die Bewertung?
Mit 29,9 % bleibt Günter Papenburg größter Anteilseigner von Salzgitter – trotz geplatzter Übernahme. Was Analysten jetzt erwarten.
Rückzug eines Übernahme-Akteurs: Papenburgs Strategie vorerst gescheitert
Am 27. Mai 2025 wurde bekannt, dass der Bauunternehmer Günter Papenburg seine Übernahmeambitionen für den Stahlkonzern Salzgitter AG eingestellt hat. Papenburg, der mittlerweile 29,9 % der Anteile an dem Unternehmen hält, wird laut eigenen Angaben keine weiteren Aktien zukaufen. Damit endet eine Phase der Unsicherheit, die den Kurs zwischenzeitlich stark beeinflusst hatte – und gleichzeitig bleibt die Tür für strategische Optionen offen.
Der Kurs reagierte deutlich positiv und legte um +4,9 % auf 22,66 Euro zu.
Aktuelle Analystenbewertungen: Von 45 EUR bis 16 EUR – breites Meinungsspektrum
Salzgitter wird derzeit von neun Analysten bewertet, deren Einschätzungen teils weit auseinanderliegen:
Cole Hathorn (Jefferies) – Kursziel: 26 EUR (HOLD)
Argument: Hathorn sieht nur begrenztes Aufwärtspotenzial (+14,74 %) und empfiehlt Halten. Die zyklische Natur des Stahlgeschäfts, gepaart mit konjunktureller Unsicherheit, limitiert laut seiner Einschätzung die kurzfristigen Chancen.
Andrew Jones (UBS) – Kursziel: 19 EUR (HOLD)
Argument: UBS-Analyst Jones sieht einen fairen Wert unter dem aktuellen Niveau, mit einem Abwärtspotenzial von -16,15 %. Die Kostenseite und volatile Rohstoffpreise seien weiterhin Risikofaktoren.
Bastian Synagowitz (Deutsche Bank) – Kursziel: 21 EUR (HOLD)
Argument: Der Analyst bleibt vorsichtig. Die Salzgitter AG könne zwar von langfristigen Infrastrukturprojekten profitieren, aber kurzfristig bestünden Unsicherheiten bezüglich der Nachfrage und Margen.
Christian Obst (Baader Bank) – Kursziel: 45 EUR (BUY)
Argument: Obst sieht das größte Potenzial. Das Kursziel entspricht fast einer Verdopplung (+98,59 %). Er verweist auf den niedrigen Buchwert, mögliche Assetverkäufe und Papenburgs Engagement als Kursfantasietreiber.
Boris Bourdet (Kepler Capital) – Kursziel: 29–26 EUR (BUY)
Argument: Auch Bourdet ist bullish. Er sieht eine Unterbewertung des Stahlkonzerns und erwartet eine Erholung der europäischen Industrieproduktion, was sich positiv auf Salzgitter auswirken könnte.
Maxime Kogge (Oddo BHF) – Kursziel: 18–21 EUR (SELL)
Argument: Kogge hat seine Einschätzung kürzlich heruntergestuft. Der Stahlmarkt sei überversorgt, und ohne Übernahmefantasie fehle ein fundamentaler Katalysator.
Alain Gabriel (Morgan Stanley) – Kursziel: 15,4–16 EUR (SELL)
Argument: Der Analyst verweist auf strukturelle Herausforderungen in der europäischen Stahlbranche sowie Margendruck durch asiatische Billigimporte.
Dominic O'Kane (J.P. Morgan) – Kursziel: 18–18,4 EUR (SELL)
Argument: J.P. Morgan sieht keine fundamentale Verbesserung des Geschäftsmodells. Der Markt überschätze die Relevanz des Großaktionärs.
Dirk Schlamp (DZ BANK AG) – Kursziel nicht genannt (BUY)
Argument: Die DZ Bank hat ein positives Votum abgegeben, ohne ein exaktes Kursziel zu nennen. Gründe sind laut Analystensicht die strukturelle Konsolidierung des Stahlmarkts und mögliche Bewertungsanpassungen durch Papenburgs Einfluss.
Durchschnittliches Kursziel: 24,05 EUR – moderates Aufwärtspotenzial
Der aktuelle Konsens liegt bei einem mittelfristigen Kursziel von 24,05 Euro – also +6,13 % über dem Schlusskurs vom 27. Mai 2025 (22,66 Euro). Das höchste genannte Kursziel beträgt 45 EUR, das niedrigste 16 EUR.
Bewertung der Analystenempfehlungen
* 3 Kaufempfehlungen (u.a. Baader Bank, Kepler Capital) * 3 Halten-Einschätzungen (u.a. Jefferies, UBS, Deutsche Bank) * 3 Verkaufsempfehlungen (u.a. Oddo BHF, Morgan Stanley, J.P. Morgan)
Das Meinungsbild ist also ausgeglichen, spiegelt aber auch die hohe Unsicherheit über die strategische Zukunft des Konzerns wider.
Fazit: Neue Phase der Unsicherheit – aber auch der Bewertungschance
Der Rückzug Papenburgs von einer aktiven Übernahme hat kurzfristig Druck vom Management genommen. Gleichzeitig bleibt sein Einfluss durch die 29,9 %-Beteiligung hoch. Analysten zeigen sich uneins – einige sehen eine deutliche Unterbewertung, andere glauben, dass ohne strukturelle Reformen oder externe Impulse kein nachhaltiger Kursschub zu erwarten ist.
Der Markt dürfte in den kommenden Wochen genau beobachten, ob Papenburg nun passiv bleibt – oder über Aufsichtsratsgremien und strategische Entscheidungen doch wieder Druck ausübt. (27.05.2025/ac/a/nw)
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